RTO

Gerechtigkeit in der Wertschöpfungskette

80 bis 90 % der Arbeit, die nötig ist, um hochwertigen Spezialitätenkaffee herzustellen, passiert dort, wo der Kaffee wächst – in den Ursprungsländern.
Doch von dem Preis, den marktüblicherweise hier für gerösteten Kaffee bezahlt wird, kommen dort nur rund 20 % an.

Egal, wie man es dreht: Gerecht ist das nicht.

Wer also von Partnerschaft mit den Produzent:innen spricht, muss genau hier ansetzen.
Es gibt zwei einfache Hebel:

  1. Bäuer:innen bessser bezahlen.
  2. Kaffee für Konsument:innen bezahlbarer machen.

Der RTO (Return To Origin). Ein Maßstab für fast alles

Der Begriff „Return To Origin“ (RTO) tauchte vor etwa zehn Jahren zum ersten Mal in Diskussionen über Transparenz im Kaffeehandel auf – und verbreitete sich mit dem internationalen Projekt „The Pledge“ in der ganzen Branche. Trotzdem nutzen ihn bis heute nur wenige Röstereien öffentlich. Dabei kann der RTO ein Maßstab genutzt werden für eigentlich alles, was im Kaffeehandel wirklich zählt: gerechte, nachvollziehbare und ehrliche Beziehungen zwischen allen Beteiligten.

Doch zunächst einmal: was ist denn dieser RTO?

Unter RTO verstehen wir den prozentualen Anteil des Verkaufspreises des Röstkaffees, der tatsächlich bei den Produzent:innen ankommt – also das Geld, das sie bekommen, wenn ihr fertig aufbereiteter Kaffee im Hafen für den Export bereitsteht (FOB-Preis).

Kurz gesagt: RTO zeigt, wie viel vom Kaffeepreis wirklich bei denen landet, die ihn anbauen und verarbeiten.

RTO-Rechner

Hier findet ihr einen RTO Rechner. Dieser hilft euch, den RTO ausrechnen zu lassen, wenn ihr die FOB-Preis und den Verkaufspreis eines Kaffees kennt. Der Rechner nimmt dafür jeweils den aktuell gültigen Dollarkurs.

Verwendeter Dollarkurs: -.-- EUR
RTO: -.--

* Beim klicken auf den Button wird der aktuelle Dollarkurs von fxratesapi.com abgerufen.

RTO und Transparenz im Kaffeehandel

Die Idee von Transparenz im Kaffeehandel wurde oft so beschrieben, wie es die Melbourne Coffee Roasters getan haben. Wir finden ihre Formulierung sehr treffend – deshalb übernehmen wir sie genau so.

„Der Mangel an Transparenz und verfügbaren Informationen in der Kaffeelieferkette bedeutete immer, dass viele Akteure in der Kette – vom Erzeuger bis zum Verbraucher – kaum wissen, wer wie viel vom Kaffee profitiert. In einigen Fällen kann diese Unklarheit von verschiedenen Parteien entlang der Lieferkette – Exporteuren, Importeuren, Händlern und Röstern – ausgenutzt werden, die die niedrigen Preise, die den Produzierenden gezahlt werden, ausnutzen und saftige Gewinnspannen auf den Kaffee aufschlagen, während die Erzeuger wenig davon erhalten. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Röstereien fälschlicherweise als Anbieter von Spezialitätenkaffee ausgeben, während sie in Wirklichkeit minderwertigen Kaffee zu sehr niedrigen Preisen einkaufen, um die Konkurrenz zu unterbieten und sich auf dem Kaffeemarkt in den Konsumländern durchzusetzen.

Zweifelsohne muss unsere Branche gemeinsam zu einer transparenteren Lieferkette übergehen. Märkte funktionieren am besten, wenn es viele Informationen und viele Möglichkeiten gibt. Mehr Informationen geben dem Erzeuger und den Verbrauchern mehr Macht und können letztlich dazu genutzt werden, alle Beteiligten in der Lieferkette auf einen höheren Standard zu bringen. Wir müssen einen Weg finden, dem Verbraucher auf einfache Weise Transparenz zu vermitteln, und zwar auf eine Weise, die das Ziel fairer und nachhaltigerer Handelspraktiken in der gesamten Kaffeeproduktionskette unterstützt.“

RTO ist für Produzierende der Maßstab für Gerechtigkeit

Das Prinzip ist einfach: 80–90 % der Arbeit am Endprodukt „geröstete Kaffeebohne“ leisten die bäuerlichen Produzent:innen, nur 10–20 % entfallen auf die Röstereien.
Und genau so verteilt sich auch die Verantwortung für die Qualität des Kaffees.

Wie kann es also sein, dass bei Kaffees kleiner und mittlerer Röstereien im Schnitt weniger als 20 % des Endverkaufspreises bei den Produzent:innen ankommen?
Ein RTO unter 20 % zeigt klar: Da stimmt etwas nicht.

Selbst wenn der absolute Einkaufspreis gut klingt – gerecht ist das nicht.
Eine so ungleiche Verteilung empfindet niemand als fair.

RTO ist für Röstereien der Maßstab für Effizienz

Aber Industriekaffee kann kein Maßstab für Fairness sein…

Die meisten Kaffees großer Konzerne haben zwar einen RTO von rund 40 % – also deutlich mehr als die durchschnittlich 18–22 % kleiner und mittlerer Röstereien.
Aber dieser Vergleich hinkt: Die Industrie zahlt für Rohkaffee in der Regel viel zu niedrige absolute Preise.
Große Marken und Discounter-Eigenmarken stehen in knallhartem Wettbewerb – und drücken die Einkaufspreise oft so weit, dass sie unter den Produktionskosten der Bäuer:innen liegen.
Von „gerecht“ kann da keine Rede sein.

Gerade deshalb sollten kleine und mittlere Röstereien bewusst daran arbeiten, ihren RTO zu erhöhen.
Ein hoher RTO ist nicht nur ein Zeichen von Gerechtigkeit, sondern auch ein Indikator für ökonomische Nachhaltigkeit und Effizienz.

RTO bedeutet für Konsument:innen einen Maßstab für das Preis-Leistungsverhältnis oder für die Gerechtigkeit

Für Konsument:innen lässt sich der RTO auf zwei Arten lesen – und beide ergänzen sich perfekt:

Die erste Lesart: RTO ist ein Maßstab für Gerechtigkeit – genau wie für die Produzent:innen selbst.
Die zweite Lesart: RTO zeigt die Effizienz der Rösterei – also, wie verantwortungsvoll und sinnvoll sie mit dem Geld umgeht.

Zusammen betrachtet macht der RTO damit sichtbar, wie gerecht und wie effizient eine Rösterei arbeitet – und wird so zum ganzheitlichen Maßstab für das echte Preis-Leistungsverhältnis einer gerösteten Kaffeebohne.

RTO – ein einfacher, aber starker Maßstab

Auch wenn viele Spezialitätenröstereien mit niedrigem RTO das ungern hören:
Der RTO ist ein äußerst nützliches Werkzeug.

Natürlich darf man ihn nicht isoliert betrachten – ein hoher RTO allein sagt noch wenig aus.
Wie schon erwähnt: Ein RTO von 40 oder 45 % bringt gar nichts, wenn der Kaffee zu einem Preis gehandelt wurde, der nicht einmal die Produktionskosten deckt.
Die Industrie und ihre Discountermarken zeigen uns tagtäglich, wie absurd das aussehen kann.

Ebenso kann eine Rösterei einzelne Kaffees mit einem hohen RTO als Greenwashing vermarkten, während der Rest des Sortiments ganz anders kalkuliert ist.
Darum funktioniert RTO nur dann sinnvoll, wenn Transparenz über das gesamte Sortiment besteht.

Erst wenn zusätzlich weitere Faktoren offengelegt werden, lässt sich einschätzen, welchen Beitrag ein hoher RTO wirklich zur Nachhaltigkeit der Handelsbeziehungen leistet.
Die wichtigsten Punkte, die alle bei ÜBERLEGEN beteiligten Röstereien in ihren Transparenzberichten veröffentlichen, sind:

  • die Qualität des importierten Kaffees
  • der bezahlte Preis
  • die Menge des importierten Kaffees
  • die Dauer der Zusammenarbeit mit den Produzent:innen

Eines bleibt klar:
Je höher der RTO, desto stärker und gesünder sind in der Regel auch die Handelsbeziehungen – und desto besser lässt sich der Kaffee langfristig vermarkten.

Der RTO basiert auf dem FOB-Preis. Ist der FOB-Preis denn aussagekräftig genug?

Die Aussagekraft des FOB-Preises hängt im Wesentlichen von zwei Voraussetzungen ab:

Erstens: Es braucht funktionierende und demokratische Strukturen vor Ort.
Wenn sich zwischen Ernte und Export Zwischenhändler, korrupte Kooperativen oder Abzocker einschalten, verliert der FOB-Preis jede Bedeutung.
Bei ÜBERLEGEN gehen wir davon aus, dass dies bei keinem unserer Kaffees der Fall ist.
Durch das Engagement aller beteiligten Röstereien vor Ort kennen wir die Strukturen gut genug, um solche Missstände frühzeitig zu erkennen – und wenn uns etwas auffällt, sprechen wir es an und arbeiten an Lösungen.

Zweitens: Der Preis muss im Verhältnis zur Qualität stehen.
Die Kostenstrukturen unterscheiden sich von Land zu Land, manchmal sogar von Region zu Region.
Ein Preis von 3,70 US$ pro Pfund kann völlig unterschiedlich bewertet werden – je nachdem, ob es sich um industriell produzierten, maschinell geernteten Kaffee aus Brasilien handelt oder um einen hochwertigen, gewaschenen Biokaffee aus Costa Rica.
Das weiß jede Fachperson in der Branche. Entscheidend ist, den Preis immer im Kontext zu sehen:
mit den lokalen Produktions- und Lebenshaltungskosten, der Qualität und der gehandelten Menge.

Wenn diese Bedingungen – also faire Strukturen, angemessene Preise und Transparenz – erfüllt sind, wird der FOB-Preis zu einem wertvollen Vergleichsmaßstab.
Gerade im Abgleich mit Importfirmen, Rohkaffeehändlern oder Röstereien liefern uns Plattformen wie der Transaction Guide